Lass es gehen

Dana Kumpfmüller: Lass es gehn (AK 2026)

 

Mit 7 sagt man uns

Jetzt beginnt

Der Ernst des Lebens

Du lernst die Kunst des Alles-Gebens

Aber du verstehst nicht ganz, wozu.

 

Mit 9 werden wir gefragt

Was wir später werden wollen

Mit 12

In welchen Zweig sie uns

den Rest der Schulzeit stecken sollen

Und die Prüfungen sind noch eeeeewig weg.

 

Mit 14 wird diese Sache mit dem Abschluss

Dann auf einmal

Ganz schnell so ganz langsam zu real

Und mit 16 ist das Lernen dafür eine ziemliche Qual

 

Und alles wird höher und schwerer

du weißt nicht, ob du's schaffst

Starrst in die Augen deiner Lehrer

Hast Angst, dass dein Kopf nicht ins Schulsystem passt

 

Du rennst von einem Test zum anderen

Zwischen Schulaufgaben wandern

Manchmal sitzt du dort mit Augen voller Tränen

Und die ganze Furcht in deinem Kopf brauche ich hier nicht erwähnen

 

Manchmal träumst du zu groß,

manchmal träumst du zu klein

manchmal wünschtest du,

woanders,

nicht in der Schule zu sein

 

und jeder sagt dir

du machst das schon

aber du glaubst es nicht so ganz

und du freust dich nur

auf den letzten Abend

deinen allerletzten Tanz

auf dieser Bühne bei deinem Abschluss zu stehen

und dann ohne zurückzublicken

aus dem Gebäude zu gehen

 

Du willst weg und du willst los

Dein Leben scheint

unendlich groß

Raus aus dem Muster,

zerbrich das System

du willst alles vergessen

Die Zeit neu verstehn

 

Und dann

kommt der Abschied

Und du vergisst

diese Sätze

Denn dir wird klar:

Dieser Tag. ist der letzte.

Sie sagen

Lass es gehen

Lass es gehen

Während Winde aus Momenten

sich um dich drehen

 

Schau nochmal

Und fühl nochmal

das Sitzen in der Turnhalle mit schwitzigen Händen

Umgeben von Prüfungen und 4 riesigen Wänden

 

Wie Du den Stift

absetzt vom Papier

Sieh dich 3 Wochen später,

im Kleid, du bist hier

 

Hier und

Nie wieder hörst du das Lachen im Flur, das Ticken der Uhr

Von 8 bis 1

Nie wieder deins

Nie wieder lernen, nie wieder reden

Nie wieder hoffen, nie wieder streben

Keine Telefonate wegen dem Mathetest morgen

Keine Umarmung von Freunden

Kein „keine Zeit“

keine Sorgen

Im Aldi keine Mittagssnacks mehr

Denn unser Klassenzimmer

ist seit 3 Wochen leer

 

Und was auch immer du heute hier Abend lässt,

was in Erinnerung bleibt oder dich sofort verlässt,

in deiner Seele spannt nostalgisch die Schulzeit ihr Netz

und grauer und grauer, wird es werden ab jetzt

 

Es sammelt

Aufmunterndes Lächeln wenn ein Sitznachbar weint,

Das Lernen zusammen wenn die Zeit endlos scheint

Denn auf unserer Schule ist man vereint

Auf Ursulinen fühlt man,

was „Gemeinschaft“

meint

 

Sei nicht traurig was war,

sondern froh was es wird,

hab keine Angst vor der Zukunft

wie sie uns allen passiert

 

Und es ist okay, nicht okay zu sein

Lieg in deim Bett mit dem Schmerz und wein

Oder spring oder freu dich

Oder vergiss, finds abscheulich

 

Das Netz färbt sich gräulich

Die Zeit bleibt auch auf deinen Wunsch hin nicht stehen

Und immer wieder hörst du

Lass es gehen

Lass es gehen

Wir sind erwachsen geworden

 

Lasst uns gehen

Lass es gehen

Bis wir uns mal wieder sehen

Lass es gehen

Lass es gehen

Ab heute ist es vorbei

Lass es gehen

Lasst

uns gehen

 

Denn endlich sind wir frei