„Bewahr den Tropfen Öl im alten Krug“

Im Rahmen der Bildungswoche zur Eröffnung des Bildungsstandorts Ursulinenkloster fand am 22. Juli im neu gestalteten Klostergarten der Ursulinen- Realschule Landshut ein Gedichteabend mit dem Titel „Bewahr den Tropfen Öl im Krug. Gedichte und Musik im Schatten alter Klostermauern“ statt. Der Deutsch- und Religionslehrer Jos Scheidhammer moderierte und rezitierte vor mehr als hundert Besuchern, gekonnt untermalt vom musikalischen Ensemble der Familie Sadlo, auf virtuose Art bekannte und weniger bekannte Lyrik vorrangig aus dem 19. und 20. Jahrhundert, die zusammen die große Geschichte unseres Lebens von der Kindheit bis zum Alter erzählt.

Begonnen wurde mit der Zuversicht mütterlicher Liebe der wieder neu entdeckten jüdischen Dichterin Mascha Kaléko: „An mein Kind“. Weiter ging die Lebensreise mit den Schulbuben Max und Moritz und ihrem bösen Pfeifenstreich an Lehrer Lämpel, den Jos Scheidhammer nuanciert und mit vollem Körpereinsatz zum Leben erweckte. Das Germanistenherz erfreuten im Anschluss Sprachspielereien von Christian Morgenstern und Kurt Mautz. Ein besonderer Aspekt wurde dann passenderweise auf den Sommermonat Juli gelegt: Hesses „Julikinder“, Kästners „Der Juli“ und Brittings „Sommerlicher Gartenthematisieren auf unterschiedliche Weise die Sehnsucht nach dem Sommer.

Aus dem Staunen über Natur und Schöpfung findet der Mensch zu Gott. Der im italienischen Original vorgetragene mittelalterliche „Cantico delle creature“ von Franz von Assisi, das älteste Werk der italienischen Volkssprache, benennt die Elemente der Natur als Geschwister. Die moderne Literatur hingegen blickt kritischer auf die Welt: Kurt Marti und Hanns Dieter Hüsch prangern auf spritzige Art die Kommerzialisierung kirchlicher Hochzeiten an bzw. die Entfernung des Menschen von Gottes Gnade und Milde.

Wie gefährlich es tatsächlich ist, wenn Menschen gotteslästerlich handeln, zeigte Heinrich Heines spannende Ballade Belsazer, einer der Höhepunkte des Abends: Ein mächtiger König feiert ein wildes Fest und verspottet Gott. Doch eine geisterhafte Feuerschrift an der Wand verkündet das nahe Ende des Tyrannen.

Ruhiger wurde es wieder mit Goethes spätem Gedicht Dämmrung senkte sich von oben“.

Joseph von Eichendorffs Sehnsucht bewies, dass wir auch im Alter immer Suchende bleiben. Doch was bietet uns auf dieser Suche Halt? Die Antwort gab Friedrich Schillers Meisterstück „Die Bürgschaft“: Unser Anker ist treue, unerschütterliche Freundschaft, sei es unter Kollegen und Herzensmenschen, sei es unter Schülerinnen und Schülern. Nach diesen gewaltigen und ewig gültigen Werten wurde der Lyrikabend mit dem gemeinsamen Singen von Matthias Claudius‘ „Abendlied“ beendet. (Kie)