












„Aber besser als Reng'!" – Mit diesem bayerischen Understatement brachte eine Besucherin die Stimmung beim heutigen musikalischen Frühschoppen auf den Punkt. Tatsächlich war der Wind allgegenwärtig, doch zusammen mit dem strahlenden Sonnenschein war er allemal die bessere Wahl als die überfallartigen Regenfälle der letzten Tage, die nicht nur die Menschen aus dem Hof der Modulschule vertrieben, sondern auch die aufgebaute Technik in Mitleidenschaft gezogen hätten.
Der Wind erwies sich als ungebetener, aber durchaus charaktervoller Regisseur: Lied- und Notenblätter wurden weggeweht – wie gut, wenn man seinen Text oder sein Stück auswendig kann! Der große Sonnenschirm kippte, und auf den empfindlichen Mikrofonen löste der Wind ein beeindruckendes Donnergrollen aus. Doch ein Blick zum Himmel verriet: kein Gewitter im Anmarsch. Auch wenn Matthias Scholz nicht am Schlagzeug saß, bewegte der Wind das Becken so, dass es gegen die Trommel schlug. Und manchmal ließ er Flaschen über den Tisch rasen, dass sie klirrend aneinanderschlugen – ungewollte Percussion-Effekte inklusive.
Den Auftakt dieses besonderen Vormittags machte Lucia Feil aus der 9a am Klavier mit Ludovico Einaudis berührendem Stück „Experience". Danach nutzte Dunja Müller, die neue Schulleiterin, die Gelegenheit, sich allen noch einmal vorzustellen. Mit einem Zitat von Josef Pieper machte sie deutlich, worum es an diesem Vormittag – und an der Schule insgesamt – geht: „Feste und Feierlichkeiten sind eine Zustimmung zur Welt." Musik, Theater und Kunst seien kein Anhängsel des Schuljahres, sondern sein eigentlicher Sinn, betonte sie. Ihr Dank galt allen Beteiligten: dem Elternbeirat für Organisation sowie Essens- und Getränkeverkauf, den Hausmeistern, Lehrkräften, Reinigungskräften allen Schülerinnen und den zahlreichen Besucherinnen und Besuchern.
„Yesterday all my troubles seemed so far away" – dieser Beatles-Klassiker, interpretiert von einem Chor aus den Klassen 5a und 6b unter Leitung von Helga Hartl, hatte eine besondere Ironie. Denn gestern waren die Probleme eigentlich noch ziemlich groß: Die Generalprobe im Pausenhof der Modulschule konnte nicht stattfinden, weil immer wieder Sturzregenfälle niedergingen. Das bange Hoffen, ob das Wetter heute halten würde – es hielt. Aber eben der Wind... Der Chor der Klasse 6a entfachte mit „Girl on Fire" passende Mädchenschul-Power – ein Titel, der perfekt zu diesem Vormittag passte.
Die Theaterklassen unter Leitung von Petra Heimerl und Veronika Strejc präsentierten amüsante und nachdenkliche Szenen: In „Die Diagnose" ging es zum Chemiker statt zum Arzt, in „Die weiße Maus" bekam eine wählerische Kundin im Tiergeschäft eine tote Maus angedreht, weil diese alle idealen Eigenschaften besaß. „Die Hellseherin" zeigte, wie man durch geschicktes Belauschen von Handygesprächen an der Bushaltestelle ein ganzes Leben skizzieren kann, ohne wirklich hellseherisch begabt zu sein. Besonders stimmig auf der Bühne unter den aufragenden Bäumen war „Im Wald" – eine tänzerische Choreografie, in der Bäume im Wind schwankten, Rehe durch den Wald huschten und Waldarbeiter mit ihren Kettensägen die Harmonie störten, ehe sie in die Natur eingegliedert wurden. Ein Stück, das an diesem windigen Tag eine ganz besondere Authentizität gewann.
Die Chöre der Klassen 6d und 6c berührten mit „Let it be" und dem traditionellen „Petersbrünnle", während das Gitarrenensemble unter Leitung von Alexander Hollmayer „Heathens" zum Besten gab. Das Blasorchester brachte unter anderem „Row your Boat" aus „Star Wars" zum Klingen und bewies eindrucksvoll, dass auch klassische Blasmusik im Schulkontext lebendig sein kann.
Musiklehrerin Dagmar Kratzer begleitete zahlreiche talentierte Solistinnen durch das Programm: Lara Friesacher aus der 9b spielte auf der Trompete „Der Weg zu meinem Dirndl", Franziska Duller aus der 6a die Schafbergpolka auf dem Akkordeon, Amelie Neumeier aus der 6b die Bauernpolka. Lucia Pirkl aus der 6a präsentierte am Klavier „Good Day Ladies", und Ines Goldner aus der 7a interpretierte mit der Harfe die „Blue Bells of Scotland". Daneben begleitete Kratzer auch Noela Miß aus der 6a bei „A Thousand Years", Mila Beck aus der 6a, die von ihrer gesamten Klasse beim Gesang von „New Soul" unterstützt wurde, und Martha Minkley aus der 6b, die am Klavier einen Bauerntanz spielte. Eva Neckermann aus der 5a verzauberte mit der Filmmusik „Für Amelie" am Klavier.
Einen besonderen Beitrag boten die Lehrkräfte selbst: Katharina Tummer an der Tuba, Dagmar Kratzer am Akkordeon, Helga Hartl an der Querflöte, Alexander Hollmayer an der Gitarre und Matthias Scholz am Schlagzeug spielten unter anderem „Am Bacherl", „Bettl Girgl" und niederbayerische Ländler – Volksmusik vom Feinsten, die zeigte, dass auch die Lehrkräfte viel Freude am gemeinsamen Musizieren haben.
Matthias Scholz präsentierte mit seinen verschiedenen Percussion-Gruppen ein beeindruckendes Spektrum: Die 5b spielte „Xylophone" und alte Schlager zum Erraten, die 6a begeisterte mit „Somebody That I Used to Know", „Watermelon Sugar" (mit Boomwhackers) und „Don't Worry Be Happy". Das Percussion-Wahlfach rundete mit „Hot Box" und „Un Poquito Canto" ab. Die Klassen 5b, 5c, 5d und 5e brachten mit „Schalalala" und „Hier kommt die Klasse" frischen Wind – im wahrsten Sinne des Wortes – in den Vormittag.
Die Schulband der Klassen 8 bis 10 unter Leitung von Alexander Hollmayer rockte mit brandneuen Hits wie „Reality", jung gebliebenen Klassikern wie „Jailhouse Rock" und dem Partisanenlied „Bella Ciao". Die jüngere Schulband der Klassen 5 bis 7, ebenfalls von Matthias Scholz geleitet, begeisterte unter anderem mit „Country Roads", „Sarà perché ti amo" und „Lemon Tree". Ein weiterer Leckerbissen war der Line Dance zu „Cotton Eye Joe", den die Klasse 5a und der Chor der 6b unter Leitung von Helga Hartl aufführten – Bewegung, Musik und gute Laune vereint.
In der Modulschule lud eine Kunstausstellung zum ruhigen Betrachten ein, organisiert von Katharina Timmer und Kirstin Jahn: Werke nach Gabriele Münter, nach der japanischen Künstlerin Yayoi Kusama, abstrakte Acrylmalerei nach Hilma af Klint und vieles mehr zeugten von der künstlerischen Vielfalt unserer Schülerinnen. Schülerinnen rund um Katharina Timmer verwandelten beim Kinderschminken kleine Gesichter in bunte Kunstwerke und sorgten für strahlende Kinderaugen.
Josef Piepers Worte haben sich heute bewahrheitet: Dieser musikalische Frühschoppen war eine Zustimmung zur Welt – mit all ihren Unwägbarkeiten, mit Wind und Sonne, mit improvisierten Momenten und einstudierten Auftritten. Danke an alle, die diesen besonderen Tag möglich gemacht haben – vielleicht auch an den Wind, der die Wolken vertrieben hat nach dem Motto: "Besser als Reng'!" (Sf)









