Tradition im Rücken, Zukunft im Blick: Ursulinen-Schule begrüßt Dunja Müller als Schulleiterin

(Sf) Eine Schule mit einer langen und lebendigen Tradition, eine engagierte Schulgemeinschaft und der gemeinsame Blick nach vorn: In der Ursulinenkirche Sankt Josef in Landshut wurde Dunja Müller feierlich als Schulleiterin der Erzbischöflichen Ursulinen-Realschule eingeführt. Im Mittelpunkt der Feier standen die Verbundenheit mit den Wurzeln der Schule, der Mut zu neuen Wegen und die gemeinsame Verantwortung für die Bildung und Erziehung junger Menschen.

Dunja Müller hatte die Amtsgeschäfte bereits zum Halbjahr des vergangenen Schuljahres übernommen. Mit der feierlichen Amtseinführung wurde dieser Wechsel nun auch offiziell gewürdigt.

Nach der Begrüßung durch die Erste Konrektorin Barbara Luginger bildete ein Gottesdienst in der Ursulinenkirche Sankt Josef den Auftakt. Pfarrer Armin Weyers stellte seine Predigt unter die Leitgedanken der heiligen Angela Merici, der Gründerin der Ursulinengemeinschaft: „Handeln, wie der Geist es eingibt. Weitergeben, was Jesus lehrt. Auf bewährten Wegen Neues wagen.“

Angela Merici habe sich auch gegen Widerstände behauptet und sei ihrem Weg in Fragen von Erziehung und Glauben treu geblieben. Diese Haltung sei gerade für eine Schule bedeutsam, die sich den Herausforderungen einer neuen Zeit stellen müsse, ohne ihre Wurzeln zu vergessen. Weyers wünschte Dunja Müller den Mut, den Blick in die Zukunft zu richten, und die Zuversicht, dass auch kommende Schülergenerationen einmal sagen könnten: „Es hat sich gelohnt, dass ich bei den Ursulinen war.“

Als Zeichen der Verbundenheit und des Segens erhielt die Schulleiterin einen von einer Schülerin gebastelten Ichthys-Fisch, das Erkennungszeichen der frühen Christen. Er sollte sie an einen guten und achtsamen Umgang mit allen erinnern, die ihr anvertraut sind.

Dr. Ralf Grillmeier, Leiter der Hauptabteilung Erzbischöfliche Schulen, bezeichnete die Amtseinführung als einen besonders schönen Anlass, um öffentlich sichtbar zu machen, dass in der Geschichte einer Schule eine neue Epoche beginnt. Zugleich betonte er, dass der eigentliche Festakt bereits im Gottesdienst stattgefunden habe: Im Mittelpunkt stehe nicht die Institution um ihrer selbst willen, sondern die gemeinsame Aufgabe, junge Menschen auf ihrem Weg zu begleiten und zu bilden. Mit einem Augenzwinkern widersprach Grillmeier der Behauptung, Schulleiter seien einsamer als Firmenchefs. Dunja Müller müsse ihre verantwortungsvolle Aufgabe keineswegs allein bewältigen. Vielmehr dürfe sie auf Unterstützung und eine Gemeinschaft bauen, die sie trägt. Dazu passe der Gedanke aus dem Römerbrief: Nicht der Mensch trage die Wurzel, sondern die Wurzel trage ihn. Als Zeichen der Anerkennung überreichte Grillmeier stellvertretend für Kardinal Marx die silberne Erzbischof-Otto-von-Freising-Medaille.

Auch Christian Ceglarek, Ministerialbeauftragter für die Realschulen in Niederbayern, hob die besondere Eignung der neuen Schulleiterin hervor. Durch ihre langjährige Tätigkeit in den Bereichen Schulentwicklung und Evaluation beim Katholischen Schulwerk kenne sie die Voraussetzungen guter Schule aus vielfältigen Perspektiven. Nun wechsle sie von der begleitenden Beratung in den „Praxismodus vor Ort“. Ceglarek würdigte die Ursulinen-Realschule als „niederbayerischen Leuchtturm der kirchlichen Schulen“ und verwies auf ihre lange, lebendige Tradition. Sein Geschenk, ein Kompass zur Amtseinführung, stand sinnbildlich für Orientierung und Zukunftsgestaltung. Ein Buchskranzl ergänzte die Gabe.

In ihrer Ansprache richtete Dunja Müller den Blick auf die Herausforderungen unserer Zeit: den Krieg in der Ukraine, den Klimawandel, die Gefährdung demokratischer Werte und die tiefgreifenden Veränderungen durch Künstliche Intelligenz. Auch Schule werde von außen angesichts von Bildungsstudien und gesellschaftlichen Erwartungen immer wieder zum Krisenfall erklärt.

Doch gerade in diesem Spannungsfeld liege eine wichtige Aufgabe. Dazu zitierte Müller ihren Lieblingsautor Max Frisch, mit dem sie sich schon als Schülerin intensiv beschäftigt hat: „Krise ist ein produktiver Zustand, man muss ihm nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen.“ Eine Krise sei nicht zwangsläufig ein Unglück, sondern könne auch einen Wendepunkt markieren, an dem Entscheidungen getroffen und neue Wege eingeschlagen werden.

Schule sei ein Ort, an dem gesellschaftliche Entwicklungen früh sichtbar würden – und zugleich ein Schutzraum, in dem junge Menschen lernen könnten, miteinander zu streiten, ohne einander zu verletzen, Entscheidungen zu treffen, ohne andere auszuschließen, und Verantwortung zu übernehmen.

Für eine katholische Schule bedeute Hoffnung nicht, einfach darauf zu vertrauen, dass schon alles gut werde. Vielmehr gehe es darum, auch dann handlungsfähig zu bleiben, wenn Antworten schwierig seien. Die Ursulinen-Realschule habe dafür bereits konkrete Wege entwickelt: Leseförderung als Antwort auf Desinformation, Demokratieerziehung als Gegenpol zur Verachtung demokratischer Werte, MINT-Förderung und eine lebendige Debattenkultur als Beitrag zu mehr Eigenständigkeit sowie einen bewussten und neugierigen Umgang mit Künstlicher Intelligenz.

Auch die Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern sei ein wichtiger Baustein. Besonders dankte Müller dem Christlichen Bildungswerk Landshut und dessen Geschäftsführer Armin Wölfl für die engagierte Kooperation. Ebenso würdigte sie die Arbeit ihrer Kolleginnen und Kollegen, die durch pädagogische Begleitung und vielfältige Maßnahmen das Miteinander der Schülerinnen stärken, individuelle Entwicklung fördern und die Frage nach Gott wachhalten.

Besonders herzlich wandte sich die Schulleiterin an die anwesenden Klassensprecherinnen. Ihr Engagement als Demokratiebotschafterinnen und ihre Beiträge bei den „One-Minute-Pitches“ hätten sie beeindruckt. Einen von den Schülerinnen geschenkten Stift verwende sie noch immer gern – für ihre zahlreichen „Hausaufgaben“ als Schulleiterin.

Müller machte dabei deutlich, dass sie nicht auf jede Frage eine fertige Antwort habe. Entscheidend sei vielmehr, gemeinsam genau hinzuschauen, zuzuhören, Ruhe zu bewahren und Vertrauen zu schenken, aber auch Vertrauen anzunehmen. An einem Leitgedanken Angela Mericis wolle sie sich dabei messen lassen: Güte solle Vorrang vor Strenge haben.

Zum Abschluss griff Dunja Müller ein Bild aus der Enzyklika Magnifica humanitas auf: den Wiederaufbau Jerusalems, bei dem nicht ein Einzelner die zerstörte Stadt wiedererrichtet, sondern jede Familie ihren Teil der Mauer übernimmt. Auch die Herausforderungen unserer Zeit ließen sich nur gemeinsam bewältigen. Jede und jeder könne einen Beitrag leisten – Lehrkräfte, Eltern und Schülerinnen gleichermaßen.

Ein Gedanke Papst Leos, der an Max Frisch erinnert, fasste diese Botschaft zusammen: Spannungen und Unterschiede müssten nicht einschüchtern, sondern könnten kreative Kräfte freisetzen, wenn sie von gemeinsamer Verantwortung getragen würden.

Nachdem die Schulgemeinschaft erst vor Kurzem neue Räume in einem alten Kloster bezogen hat, fand Müller dafür ein treffendes Schlussbild: „Lassen Sie uns Baumeister der Gemeinschaft sein.“

Bei einem anschließenden Umtrunk im Mehrzweckraum der Schule klang die Feier mit köstlichen Häppchen und zahlreichen Gesprächen aus. Unter den Gästen waren neben der Familie Müller auch Schwester Andrea und Schwester Valeria als Vertreterinnen der Ursulinenschwestern, kirchliche und politische Repräsentanten, der Freundeskreis der Ursulinen-Realschule, der Elternbeirat, die Amtsvorgänger Bartholomäus Huber und Angela Schleibinger sowie Schüler- und Klassensprecherinnen.