




„Jenseits der Realität – Wenn ein Stillleben surreal wird“ lautet das Thema der heutigen praktischen Abschlussprüfung im Fach Kunst. Seit dem Morgen herrscht konzentrierte Arbeitsatmosphäre im Zeichensaal: An den Werkbänken wird beobachtet, skizziert, radiert, schraffiert und koloriert. Zwischen Kohlrabi, Tomaten, Zitronen und Nüssen entstehen Werke, die weit mehr sein sollen als klassische Stillleben.
Bereits beim Betreten des Raumes fällt das Prüfungsarrangement ins Auge: Kisten voller Gemüse und Obst stehen bereit, daneben alte Reclamhefte, die zerschnitten und in die Arbeiten integriert werden dürfen. Die Aufgabe verlangt zunächst eine realistische Darstellung des aufgebauten Stilllebens. Doch dann beginnt die eigentliche Herausforderung: Ein surrealistisches Element soll die Wirklichkeit durchbrechen und dem Bild eine rätselhafte, fantastische Ebene verleihen – ganz im Sinne der surrealistischen Bildwelten von Salvador Dalí.
Die Arbeitsplätze erzählen dabei ihre ganz eigenen Geschichten. Zwischen Malbechern, Wasserflaschen und bereitgelegtem Gemüse verschwimmen die Grenzen zwischen Motiv und Pausensnack. Haribo liegen neben Tomaten, ein Tetrapack Eiskaffee neben den Aquarellfarben. Manchmal ist auf den ersten Blick kaum zu erkennen, was später Teil des Kunstwerks werden soll – und was für die Verpflegung gedacht ist.
Auf einem Tisch liegt ein halbiertes Radieschen direkt in der Malpalette, auf einem anderen wacht ein kleiner Glücksbringer mit der Aufschrift: „Ich bin ein kleiner Dino, der an dich glaubt.“ Auch Sesamringe mit Schnittlauch, Hanuta-Riegel und Müslisnacks gehören heute zur kreativen Grundausstattung.
Gearbeitet wird mit einer Kombination aus Bleistiftzeichnung, Tusche und Farbe. Feine Schraffuren modellieren Licht und Schatten, Tuschestifte bringen Oberflächenstrukturen zum Vorschein, bevor Aquarell- oder Acrylfarben ausgewählte Bildbereiche zum Leben erwecken. Zwischendurch surrt immer wieder ein Haarfön durch den Raum, um Farbschichten schneller trocknen zu lassen.
Trotz aller Konzentration bleibt Raum für kleine Momente des Humors. Aus einer Ecke des Saales ist die pragmatische Frage zu hören: „Kann ich die Zwiebel nach vorne legen? Das tut in den Augen weh.“ Auch das gehört zur Arbeit mit echten Naturmaterialien.
Noch sind viele Werke im Entstehen. Doch schon jetzt zeigt sich eindrucksvoll, wie vielfältig die Antworten auf dieselbe Aufgabenstellung ausfallen können. Aus Kohlrabi, Zitronen, Tomaten und Reclamheften werden heute individuelle Bildwelten. und aus einem klassischen Stillleben kleine Ausflüge in das Surreale.
Wir wünschen allen Prüflingen weiterhin gutes Gelingen und viel Erfolg für den weiteren Verlauf ihrer Abschlussprüfung (Sf).
