„Navi brauchen Sie nicht!“ – Verabschiedung von Sigrid Werner

Die Schulgemeinschaft verabschiedete Sigrid Werner, Lehrerin für Englisch und Geschichte. Wer mit dem Vornamen „Sigrid“ ein Akrostichon mit Adjektiven wie sanft, introvertiert, gelassen, ruhig, ignorant oder demütig bildet, der hat Sigrid Werner nie kennengelernt. In ihrer  Rede räumte Schulleiterin Angela Schleibinger direkt mit diesen Assoziationen auf. Kein einziges dieser „weichen“ Attribute treffe auf die scheidende Pädagogin zu. Viel passender seien Begriffe, die Frau Werners Wesen wirklich erfassen: selbstbewusst, impulsiv, großherzig, resolut, ideenreich und durchsetzungsstark.
Schleibinger beschrieb ihre Kollegin als eine „emanzipierte Frau, die weiß, was sie will, die einen Plan hat und den auch durchzieht.“ Ein Navigationsgerät sei für Frau Werner wohl die überflüssigste Anschaffung: „Navi brauchen Sie nicht, Sie wissen, wo’s hingeht.“
Dass sie nicht nur den Weg kennt, sondern auch das historische Gepäck dazu im Detail beherrscht, bestätigte die Fachschaft Geschichte. Als unangefochtene „Fachwissensqueen“ erhielt sie zum Abschied ein Buch über „Unnützes Wissen“ – wohl der einzige Bereich, in dem man ihr noch etwas Neues beibringen könne. Auch die Fachschaft Englisch betonte ihre Hilfsbereitschaft: „Dich, Sigrid, konnte man immer alles fragen.“
Wie sehr Frau Werner den Schulalltag prägte, machten die Schülerinnen deutlich. Schülersprecherin Anja Vogl erinnerte an die unkonventionellen Lehrmethoden, die im Gedächtnis bleiben werden – allen voran das legendäre „Aktiv-Passiv-Theaterstück“, mit dem selbst trockene Grammatik zur unterhaltsamen Performance wurde.
Doch Sigrid Werner blickte stets über den Tellerrand der Standardfächer hinaus. Fließend Russisch sprechend, bot sie Russisch-Kurse an der Schule an und organisierte unvergessene Fahrten, wie die Reise nach Sankt Petersburg und Moskau im Jahr 2004 ("Ein guter russischer Pilot, hat genügend Wodka getrunken").
Im Lehrerzimmer wird nun eine Stimme fehlen – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Frau Hillmeyer muss künftig ohne ihren „Co-Partner“ auskommen, mit dem sie so herrlich die ewigen Grantler aus der „Muppet Show“ - Statler und Waldorf - mimen konnte. Sigrid Werner war nie ein Freund von salbungsvollen Worten. Sie schätzte die direkte Ansage, vertrat oft eine abweichende Sicht auf gesellschaftliche sowie politische Fragen und hielt damit nie hinter dem Berg. Sie war ein Mensch mit Ecken, Kanten und Haltung.
Dass dies kein Abschied in den Schaukelstuhl wird, steht fest. Sigrid Werner hat neue Pläne und Ziele; der Begriff „Ruhestand“ scheint hier fehl am Platz.
Ihr letzter Rat an die Schülerinnen war typisch Werner – herzlich, direkt und fordernd: „Schnuckis, ich wünsche euch alles Gute, seid's brav und setzt euch durch!“
Die Schulgemeinschaft wünscht Sigrid Werner für ihre neuen Wege Gottes Segen! (sf)