

Eingebettet in den Geschichtsunterricht besuchten die zehnten Klassen die KZ-Gedenkstätte Dachau. Dana Kumpfmüller, eine der Zehntklasslerinnen, hat aus ihren Gedanken dazu einen ausführlichen Text gemacht.
Es ist klirrend kalt. Von innen und außen bläst der Wind, der den ganzen Körper zum Zittern bringt. Das Gelände ist blass, gräulich. Farbe sieht man hier nicht. Kleine Wölkchen steigen aus unseren Mündern nach oben in den wolkenbehangenen Himmel. Man blickt weit über die Landschaft, welche aus Baracken, Kies und kahlen Bäumen besteht. Seit wir durch das Tor getreten sind, versuchen wir, der Situation der Gefangenen des NS-Regimes in den 1940ern nachzuspüren. Bisher ferne Fragen fallen auf uns herunter: Wie kalt war es den Häftlingen vor etwa 80 Jahren, wie ausgeliefert und ängstlich kann ein Mensch sich fühlen?
Wir sind still. Die Führung ist nicht nur eine Aufarbeitung vergangener und aktueller Geschehnisse, es ist ein ganz neuer Blickwinkel. Die Zeit bleibt stehen, keine Uhr tickt mehr, es gibt nur Dunkelheit, Krankheit, Erschöpfung und Auslieferung. Die alten Fliesen an den Wänden, an denen die Vergangenheit hängt, reflektieren unsere Gesichter: Leere Augen, rasende Gedanken und Trauer. Es ist eine merkwürdige Atmosphäre. Wir leiden und sind trotzdem unfassbar aufmerksam. Denn es ist wichtig, die Angst die Wirbelsäule hochkriechen zu spüren, die eiskalten Worte zu hören und Bilder der Opfer zu sehen. Durch die Räume der Ausstellung drängen wir uns wie eine Schafherde, ob wir länger stehen bleiben oder sofort weitergehen wollen, weiß niemand von uns so genau. Wir fragen nicht: „Ist alles okay?“ Denn es ist nicht okay. Aber gerade das ist das Wichtigste an diesem Besuch.
Bis zum Krematorium und dem Brausebad liegt eine distanzierte Stimmung zwischen uns. Den Boden unter den kalten Füssen zu spüren, in dem die Asche der Getöteten begraben liegt, ist surreal. Jetzt stehen wir vor dem kleinen Haus und wissen: Wir müssen nicht hineingehen. Wir werden nicht gezwungen, wir werden nicht aufgefordert, es ist unsere alleinige Entscheidung.
Und dann entsteht zwischen uns etwas. Wir rücken näher zusammen. Arme und Hände verschlingen sich, die Jacken werden hochgezogen und wir sehen uns gegenseitig an. Da gehen wir hinein und leiden zusammen. Jeder von uns trägt in der Dunkelheit ein kleines, inneres Licht mit sich: Liebe und Gemeinschaft entsteht. Es zählt nicht, wer von uns zu unterschiedlichen Freundesgruppen gehört, mit wem man sich besser oder schlechter versteht- wir gehen alle zusammen, erkundigen uns nach unseren Gefühlen und sprechen über die schrecklichen Dinge, die hier passiert sind. Kein Blatt passt zwischen uns, wir wärmen uns gegenseitig.
Heute ist es okay, nicht okay zu sein. Aber zusammen haben wir uns ein Licht der Erinnerung erschaffen, das niemals wieder ausgehen soll.
Fachbetreuerin Andrea Böhm hat noch weitere Eindrücke von Schülerinnen gesammelt:
„Erschüttert hat mich zu realisieren, wie grausam Menschen miteinander umgegangen sind. Die persönlichen Geschichten haben mich besonders bewegt und mir bewusst gemacht, wie es ist, zu erinnern. Als ich die Baracke betrat, hatte ich das Gefühl, der Vergangenheit ganz nah zu sein.“
Carolin Fleischmann, 10b
„Der Besuch des Konzentrationslagers Dachau hat bei mir einen sehr bedrückenden Eindruck hinterlassen. Besonders die engen Baracken und die vielen Informationen über das Leid der Menschen haben mich bewegt. Mir wurde noch einmal bewusst, wie grausam und unmenschlich diese Zeit war. Der Rundgang hat mich nachdenklich gemacht und ich finde es wichtig, dass wir uns daran erinnern, damit so etwas nicht wieder passiert.“
Isabel Esterl, 10a
„Am stärksten erinnere ich mich an die Kälte, nicht nur weil es Winter und somit kalt war, sondern auch der Ort strahlt eine Kälte aus, etwas Trauriges. Das große Tor am Eingang, die hohen Wachtürme, der unebene, steinige Boden, das Gefängnis im Gefängnis, „Baum, Bock und Bunker“, die Allee, dieses graue, trostlose Gelände, das, was dort passiert ist, alles ist plötzlich so erdrückend anwesend. Man kann es kaum in Worte fassen.“
Veronika Staude, 10a
„Der Ausflug nach Dachau war wirklich sehr informativ und spannend, trotz der eisigen Kälte, die uns das Draußenstehen am Donnerstag schwer gemacht hat. Unsere Begleitung hat uns vieles erklärt. Sie hat uns beispielsweise an einem Plan den Aufbau des ehemaligen Konzentrationslagers erklärt und natürlich auch herumgeführt. Beim Ansehen der nachgebauten und originalen Gebäude fühlte man eine erdrückende Stimmung und konnte sich dennoch gar nicht vorstellen, wie schlimm es für diese Menschen gewesen sein muss. Die Fahrt war auf jeden Fall eine Erfahrung, die man machen sollte, um die Geschichte Deutschlands noch näher kennenzulernen und besser zu verstehen.“
Lisa Ecker, Janina Georgens, Melina Meier, 10e
„Der Besuch der Gedenkstätte Dachau hat mich sehr nachdenklich gemacht. Besonders aufgefallen ist mir die bedrückende Stille auf dem Gelände. Insgesamt hat der Besuch einen ernsten Eindruck bei mir hinterlassen und gezeigt, wie wichtig es ist, sich an diese Geschichte zu erinnern.“
Katharina Dax, 10a
„Schon beim Betreten des ehemaligen Konzentrationslagers merkt man die Schwere, die dieser Ort mit sich trägt. Uns wurde vieles über Dachau erzählt, doch nichts bereitet einen darauf vor, diesen Ort mit eigenen Augen zu sehen.“
Louisa Buchner, 10b
