„Manches Wissen steht im Putzschrank“ – 21. Schulfinale von „Jugend debattiert“

Es ist eine Tradition mit Weitblick: Bereits zum 21. Mal fand an der Ursulinen-Realschule das Schulfinale von „Jugend debattiert“ statt. Die Schule, die bundesweit zu den Pionieren dieses Wettbewerbs zählt, lud zu einer gut besuchten Abendveranstaltung in die Aula ein. Im Mittelpunkt stand eine Streitfrage, die den Schulalltag direkt betrifft, aber auch gesellschaftliche Relevanz besitzt: „Sollen Schülerinnen und Schüler ihre Schule selbst putzen?“ Am Ende eines fairen und rhetorisch gelungenen Schlagabtauschs konnte sich Dana Kumpfmüller (10d) als Schulsiegerin durchsetzen.
Moderator Franz-Josef Scheidhammer betonte in seiner Begrüßung das übergeordnete Ziel der Veranstaltung: Die Schülerinnen sollen befähigt werden, sich politisch einzumischen. Er verwies auf aktuelle politische Debatten und drückte seine Vorfreude auf die kommenden Kommunalwahlen aus – erfahrungsgemäß fänden sich auf den Kandidatenlisten oft Namen ehemaliger Schülerinnen wieder, die sich bereits bei „Jugend debattiert“ hervorgetan hätten.
In der Debatte standen sich auf der Pro-Seite Dana Kumpfmüller und Katharina Ransberger (9a) sowie auf der Contra-Seite Freya Hollenstein (9d) und Elizabeth Ogbebor (10d) gegenüber. Die Zuschauer erlebten eine lebhafte Diskussion mit häufigen Sprecherwechseln, die das Thema aus zwei völlig unterschiedlichen Perspektiven beleuchtete.
Die Pro-Seite argumentierte stark mit dem pädagogischen Wert der Arbeit. Dana Kumpfmüller zog Vergleiche zu internationalen Vorbildern in Japan oder Schulen auf den Philippinen. Sie betonte, dass praktische Tätigkeit die Identifikation mit der Schule stärke und Vandalismus vorbeuge. „Schule soll uns nicht nur theoretische Dinge beibringen, sondern auch praktisch weiterbilden“, so Kumpfmüller. Ihre Mitstreiterin Katharina Ransberger ergänzte, dass das Übernehmen von Verantwortung für den eigenen Raum Respekt und Organisation schule – Fähigkeiten, die im späteren Leben ebenso wichtig seien wie Mathematik oder Englisch. Auch das Argument, Bewegung beim Putzen könne nach langem Sitzen für neue Konzentration sorgen, wurde ins Feld geführt.
Die Gegenseite hielt mit pragmatischen und sozialen Argumenten dagegen. Freya Hollenstein warnte vor unfairer Arbeitsverteilung: Engagierte Schülerinnen würden die Arbeit machen, während andere sich drückten. Sie wies eindringlich auf hygienische Standards und Gesundheitsrisiken durch Reinigungschemikalien hin. Elizabeth Ogbebor bezweifelte zudem die Übertragbarkeit asiatischer Schulmodelle auf Deutschland, da dort die Schülerinnen und Schüler oft bis zu zwölf Stunden in der Schule verbrächten und somit mehr Zeitfenster hätten. Ihr prägnantes Schlusswort brachte die Haltung der Contra-Seite auf den Punkt: „Bücher statt Besen!“
Besonders im Gedächtnis blieb jedoch das finale Plädoyer der späteren Siegerin Dana Kumpfmüller: „Manches Wissen steht nicht im Lehrplan, manches Wissen steht auch im Putzschrank.“
Während sich die Jury zur Beratung zurückzog, wurde das Publikum musikalisch bestens unterhalten. Die Perkussionsgruppe unter Leitung von Matthias Scholz hatte den Abend eröffnet, im weiteren Verlauf glänzten Emma Neckermann (8a, Querflöte) und Lara Friesacher (8b, Trompete), begleitet von Musiklehrerin Helga Hartl am Klavier.
Die Jury selbst war ein Beleg für die Nachhaltigkeit des Wettbewerbs: Neben Mathematiklehrer Martin Bauch kehrten mit Regina Stanglmaier, Antonia Kainz, Carola Brand, Leni Reithofer und Luzia Valina erfolgreiche ehemalige Debattantinnen an ihre alte Wirkungsstätte zurück. Sie berichteten von ihren Studien- und Berufskarrieren und betonten, wie oft sie das bei „Jugend debattiert“ erlernte Handwerkszeug heute nutzen können.
Bei der Siegerehrung überreichte Schulkoordinator Simon Amann neben Urkunden auch Buchgutscheine, gestiftet vom Freundeskreis der Schule. Den ersten Platz belegte Dana Kumpfmüller, gefolgt von Katharina Ransberger, Freya Hollenstein und Elizabeth Ogbebor auf den weiteren Plätzen. Für die Siegerinnen geht der Wettbewerb nun weiter: Sie vertreten die Ursulinen-Realschule beim Regionalwettbewerb, der Ende Februar am Maximilian-von-Montgelas-Gymnasium in Vilsbiburg stattfinden wird. (Sf)