


Man hält unwillkürlich den Atem an, wenn man die abgedunkelten Kellerräume des KOENIGmuseums betritt. Dort auf dem Boden sitzt ein Mädchen, den Blick sanft auf das Wesen in ihren Armen gesenkt. Man sieht den feuchten Glanz in ihren Augen, als hätte sie gerade erst geblinzelt. Man starrt auf das dichte, dunkle Haar an ihren Beinen, auf jede einzelne Pore ihrer Haut, und der Verstand weigert sich zu glauben, dass dies eine Skulptur ist. Man hält den Atem
Unter dem Titel „Willkommener Gast“ präsentiert die australische Künstlerin Patricia Piccinini ihre hyperrealistischen Skulpturen aus Silikon, Fiberglas und Echthaar. Sie sehen so täuschend echt aus, dass die Grenzen zwischen Kunst und Leben verschwimmen. Besonders ihre Hybriden – bizarre Mischwesen aus Mensch, Tier und Technik – lösten bei uns sofort einen inneren Zwiespalt aus: Ist das gruselig oder irgendwie süß? Piccinini hinterfragt mit ihren Geschöpfen unsere moralischen Grenzen in Zeiten von Gentechnik und künstlicher Intelligenz. Sie lädt uns ein, das Fremde nicht abzulehnen, sondern als „willkommener Gast“ in unseren Herzen zu akzeptieren und Empathie für das „Andere“ zu entwickeln.
Dass wir weniger verloren vor den bizarren Kreaturen standen, sondern auch die tiefere Bedeutung dahinter verstanden, lag an der wirklich gelungenen und spannenden Führung, die uns das KOENIGmuseum angeboten hat. Beeindruckend war zudem, wie Piccininis Werke mit den abstrakten Skulpturen von Fritz Koenig in Verbindung traten – ein spannender Kontrast zwischen organischer Detailverliebtheit und reduzierter Formensprache.
Die Mischung aus Faszination und leichtem Unbehagen hat bei vielen von uns noch lange nachgewirkt. Ein großes Dankeschön an das Team vom KOENIGmuseum für diesen spannenden Vormittag!
