




(Sf) Es war ein nasser, dunkler Oktoberabend. Vor dem Haupteingang warteten die Eltern ungeduldig auf den Beginn des Elternabends. Kalt, grau, ungemütlich – die Stimmung passte zum Wetter. Dann kam Helga Hartl vorbei und begrüßte die wartenden Eltern mit einem strahlenden „Guten Morgen!“
Ein kleiner Satz, der viel über Helga Hartl erzählt. Denn wo sie war, ging die Sonne auf. Sie brachte Leichtigkeit, Herzlichkeit und Musik mit – und schaffte es mit ihrem ansteckenden Lachen immer wieder, andere zum Lächeln zu bringen.
Heute wurde Helga Hartl nach mehr als 31 Jahren an der Ursulinen-Realschule feierlich in den Ruhestand verabschiedet. Bei strahlendem Sonnenschein strömten in der letzten Schulstunde Schülerinnen und Lehrkräfte auf dem Pausenhof zusammen. Und als Helga Hartl schließlich erschien, brandete spontaner Szenenapplaus auf. Sie strahlte mit der Sonne um die Wette – ganz so, wie sie es über drei Jahrzehnte an unserer Schule getan hatte.
Schulleiterin Dunja Müller fasste die vielen Facetten der beliebten Kollegin in fünf Buchstaben zusammen: H wie Herzlichkeit, E wie Engagement, L wie Leidenschaft für Musik, G wie Geselligkeit und A wie Ausdauer. Und tatsächlich: Wer Helga Hartl kennt, könnte problemlos noch viele weitere Buchstaben und Eigenschaften ergänzen.
Vor allem aber war Helga Hartl eine Verkörperung der Musik – und insbesondere des Chorgesangs. Wenn sie vor einem Chor stand, sang nicht nur ihre Stimme mit: Jeder Gesichtsmuskel schien die Schülerinnen geradezu zum Singen einzuladen. Mit Begeisterung, Energie und einer ganz eigenen Leichtigkeit verstand sie es, die Freude an der Musik weiterzugeben. Generationen von Schülerinnen haben diese Freude erlebt.
Auch die Schülerinnen verabschiedeten ihre Lehrerin mit großer Wertschätzung. Schülersprecherin Marie Richter würdigte Helga Hartl als echte „Powerfrau“. Die Fachschaften Englisch und Musik überreichten Geschenke, bevor der Kollegiums-Chor mit einer eigens von Christina Weber umgedichteten Version von „Thank You for the Music“ für einen der musikalischen Höhepunkte sorgte:
„Thank you for Helga“ – ein Lied voller Dankbarkeit und liebevoller Erinnerungen. Darin steckte vieles von dem, was Schülerinnen und Kollegen an ihr schätzten: dass Helga oft schon die Antwort wusste, bevor überhaupt jemand die Frage gestellt hatte, dass sie lange vor allen anderen zu singen begann und dass sie mit ihrer Musik und ihrer Lebensfreude so viel Freude in den Schulalltag brachte.
Auch die Abschiedsworte des MAV-Sprechers Reinhard Hartl waren ganz nah an Helga Hartls Charakter: persönlich, humorvoll und mit einem Augenzwinkern. Er erinnerte daran, dass Helga Hartl am 11. September 1995 an die Ursulinen-Realschule gekommen war – ein Nine-Eleven, das seither an unserer Schule eine ganz andere, positive Bedeutung habe.
Dabei wurde auch mit einem langjährigen Missverständnis aufgeräumt: Reinhard und Helga Hartl sind weder miteinander verheiratet noch miteinander verwandt, auch wenn Reinhard Hartl meinte, Helga könnte so manches seiner Verwandtschaftstreffen bereichern. „Nomoi a Hartl“ habe er bei seinem ersten Rundgang durch die Schule damals gedacht, als er sie kennenlernte. Dass zwei Hartls im Kollegium immer wieder für Verwechslungen sorgten, war über die Jahre Stoff für so manche heitere Episode.
Doch hinter all dem Humor wurde vor allem eines deutlich: Helga Hartl war eine Kollegin, die Menschen mochte und ihnen mit Respekt begegnete. Sie sah bei Schülerinnen und Kollegen nicht zuerst das, was schwierig war, sondern das Positive. In Konferenzen und Gesprächen war von ihr deshalb nicht selten zu hören: „Aber nicht das Falsche an ihr sehen!“ Sie war gutherzig und ehrlich – und konnte auch in brenzligen Situationen mit einer guten Portion Gelassenheit und ihrem unverwechselbaren Humor für Entspannung sorgen.
Als Kollegin engagierte sie sich über viele Jahre auch in der Mitarbeitervertretung für die Belange der Beschäftigten. Sie prägte das Schulleben, bereicherte das Kollegium und machte unter anderem die Englandfahrten zu besonderen Erlebnissen. Ihre Spuren reichen weit über das Klassenzimmer hinaus.
Und natürlich durfte bei diesem Abschied die Musik nicht fehlen. Nach Worten, Geschenken und Erinnerungen wurde gemeinsam musiziert. Helga Hartl nahm selbst noch ein letztes Mal am E-Piano Platz – und schließlich sang die ganze Schulgemeinschaft gemeinsam „Mamma Mia“. Ein passender letzter Auftritt für eine Lehrerin, deren Leben an unserer Schule so eng mit Musik verbunden ist.
Sichtlich gerührt und mit Tränen in den Augen bedankte sich Helga Hartl für die gemeinsame Zeit mit ihren Schülerinnen und Kollegen. Mehr als drei Jahrzehnte Ursulinen-Realschule – das sind unzählige Unterrichtsstunden, Chorstunden, Fahrten, Feste, Gespräche, Lieder, Lacher und Begegnungen.
Nun werden ihre Enkelkinder ebenso wie die zahlreichen Chöre, in denen sie aktiv ist, von ihrer neu gewonnenen Zeit profitieren - die Ursulinen-Realschule hofft hingegen, dass bei der einen oder anderen schulischen Veranstaltung irgendwo ihr ansteckendes Lachen und ihre Singstimme noch manchmal zu hören sein werden.

