Lada Ponomarova und Lena Sekretaruk haben voneinander unabhängig ihre Eindrücke der Studienfahrt formuliert. Daher überschneiden sich manche Aussagen, zugleich ist es interessant, durch zwei Texte unterschiedliche Schwerpunktsetzungen zu erhalten – eine Komponente der Individualität, der wir gerade an einem Ort, der in scharfem Gegensatz zu jeder Form der Individualität stand, gerne Raum geben. In alphabetischer Reihenfolge erscheint hier zuerst Ladas Text:Angekommen an derGedenkstätte in Dachausind der erste Eindruck die Hunderte von Menschen, die das ehemalige Konzentrationslager besuchen: Schüler, Lehrer, Touristen, ganze Schulklassen aus anderen Ländern, welche diesen Weg auf sich genommen haben, um mehr über die komplexe und grausame Geschichte dieses Ortes zu lernen.Beim Betreten der Anlage durch die Absperrung fällt jedem sofort der auf der Metalltür skulptierte Satz “Arbeit macht frei” auf, ein bekannter Satz, der in vielen Konzentrationslagern benutzt wurde, um die Inhaftierten glauben zu lassen, dass sie durch die Arbeit, die sie verrichteten, sich ihre Freiheit erarbeiten konnten, was in keinem Falle stimmte.Einer unserer ersten Stopps war das Gefängnis. Wir betraten die langen Gänge, an deren beiden Seiten Türen zu den Einzelzellen führten. Heute ist hinter jeder Tür ein kleiner Raum mit ausgestellten Infotexten und auch einem kleinen, mit Metallgitter gesicherten Fenster zu sehen. 1944 waren manche dieser Zellen in vier Einzelzellen aufgeteilt, welche gerade einmal 80 mal 80 Zentimeter groß waren. Die Häftlinge hatten also oft tage- oder wochenlang keinen Platz, sich hinzulegen oder gar hinzusetzen, weshalb man die Zellen auch Stehzellen nannte. Raus, um auf die Toilette zu gehen, durften sie nicht.Bevor wir anschließend das Wirtschaftsgebäude betraten, schauten wir uns die massive Skulptur des Mahnmals an. Diese zeigt einen nachgebauten Stacheldrahtzaun, wie den, der das KZ umschließt, in dem viele abgemagert aussehende Menschen hängen. Die Bedeutung ist vielfältig und offensichtlich tragisch, genauso wie die des gegenüberliegenden Reliefs in Kettenform. Bedeckt mit verschiedenfarbigen Winkeln symbolisiert dieses all die Inhaftierten, welche in Gruppen eingeteilt und in erster Linie nach der Farbe und Form dieser behandelt wurden.Im sogenannten Wirtschaftsgebäude ist heute die Hauptausstellung der Gedenkstätte zu finden. Die mit historischen Ausstellungsstücken und Informationstexten gefüllten Gedenkräume zu betreten, war ein ergreifender Teil der Tour, vor allem, da es viele echte Andenken wie alte Pässe, Uhren und Schmuck gab, bei deren Betrachtung man sich in die Vergangenheit zurückgeschickt fühlte. Als man die beigelegten Texte über die einzelnen Menschen gelesen hat, hat es sich fast schon so angefühlt, als hätte man die Menschen gekannt und würde nun um sie trauern, da die Beschreibungen oft sehr detailliert mit den Andenken verbunden waren.Unser nächster Stopp waren die Baracken. Von den damaligen 34 stehen heute nur noch zwei Nachbauten, welche für die Rundgänge genutzt werden. Bei der Besichtigung der einzelnen großen Schlafräume konnte man die Veränderung der Bettengestaltung im Laufe der Zeit gut erkennen: Die hölzernen Doppelstockbetten wurden mit der Zeit immer weniger individuell, bis es beim dritten Modell nur noch eine gemeinsame Liegefläche, in welcher die Häftlinge ohne jegliche Privatsphäre sehr gequetscht schlafen mussten, gab. Die Lebensumstände von früher zu sehen war sehr bedrückend und mit dem Betreten jeden weiteren Gebäudes wurde das Mitgefühl stärker und die Trauer um die Menschen, die hier Zeit verbracht hatten, Menschen, die ihr Leben hier verloren hatten, Menschen, deren Bekannte und Familienmitglieder hier waren, größer.Den Krematoriumsbereich zu betreten, den wir zum Schluss der Führung besuchten, war für mich sowie viele meiner Klassenkameradinnen der wahrscheinlich beklemmendste Abschnitt. Der Grund für den Bau des Krematoriums war die Massentötung von Menschen. Zur Massenvernichtung durch Giftgas kam es in Dachau jedoch zum Glück nicht. Im Inneren der „Baracke X“ gab es Verbrennungsöfen zur Einäscherung der Leichen, Totenkammern und eine Gaskammer. Ich konnte mich nicht lange in diesen Räumen aufhalten und wenn ich nochmals eine Besichtigung machen sollte, würde ich kein zweites Mal dorthin gehen können.Lena Sekretaruk hat ihre Eindrücke von dieser Fahrt so formuliert.Dachau. Eine Stadt in der Metropolregion München. Doch warum genau ist Dachau eigentlich eine so bedeutende Stadt? Die Frage ist leicht zu beantworten, jedoch kommen dadurch auch schlimme Erinnerungen und Leidensgeschichten hoch. Es ist wegen dem Konzentrationslager der Nationalsozialisten. Heute ist das ehemalige Konzentrationslager ein internationaler Lern-, Gedenk- und Erinnerungsort. Doch wie sah es dort früher aus und wie genau ging es den Menschen, die dort hingebracht wurden? Genau das sollten wir erfahren auf unserem Ausflug in dieses Lager.Wir bekamen eine eineinhalb Stunden lange Führung, in der wir zunächst etwas über das Gelände des Konzentrationslagers erfuhren. Dann ging unsere Gruppe durch ein eisernes Tor, in dessen Mitte „Arbeit macht frei“ stand. Ich habe einen Moment nachgedacht und dann wurde mir richtig bewusst, dass dieser Satz eigentlich eine Qual für die Menschen gewesen sein musste.Hinter dem Tor befand sich der riesige Appellplatz. Dort mussten sich die Häftlinge jeden Morgen und Abend aufstellen und wurden gezählt. Das konnte oft Stunden dauern. Danach wurden sie zum Arbeiten eingeteilt. Sie mussten bei jeder Wetterlage arbeiten, egal ob Schnee, Regen oder wahnsinniger Hitze. Sie trugen eine Hose und eine Art Hemd. Beides hatte das gleiche Muster: blau-weiß-gestreift. So wurden sie erkannt, falls die Häftlinge auf die Idee gekommen wären, zu fliehen. Doch fliehen war praktisch unmöglich, da sich vor dem elektrisch geladenen Stacheldrahtzaun ein tiefer Graben sowie eine Rasenfläche befand, die die Häftlinge nicht betreten durften. Wer sie betrat, wurde direkt erschossen. Schaffte man es dennoch bis zum Zaun, starb man spätestens, wenn man ihn berührte.Als Nächstes besichtigten wir das Gefängnis. Doch warum ein Gefängnis im Gefängnis? Das war die Frage, die uns alle beschäftigte. Die Führerin erklärte uns, dass es Strafen für die kleinsten Fehler gab. Sie reichten von Essensentzug, Stillstehen auf dem Appellplatz, Inhaftierung im Bunker (Einzel- und Dunkelhaft) bis hin zu Prügelstrafe und Hinrichtung. Wir gingen durch das Gefängnis und schauten uns die einzelnen Zellen an. Sie waren klein und hatten teilweise keine Fenster.Ein Weg führte uns danach weiter zu den Baracken, in denen die Gefangenen damals lebten. Was uns auffiel war, dass die Betten im Laufe der Jahre für jeden Einzelnen immer enger wurden und man dadurch immer weniger Platz zum Schlafen hatte. Das lag daran, dass immer mehr Menschen verhaftet und die Baracken dadurch immer voller wurden. Die Toiletten waren dicht aneinandergereiht, was natürlich bedeutete, dass die Häftlinge keine Privatsphäre besaßen.Zuletzt kamen wir zum Krematorium. Der Weg dorthin führte über eine Brücke, die es damals nicht gab. Warum? Die Menschen, die dort gefangen gehalten wurden, sollten nicht wissen, was dort passierte. Es war der Ort des Todes, an dem die vielen Toten eingeäschert oder auch Hinrichtungen durchgeführt wurden. Im Zentrum des Bereichs sahen wir ein Gebäude, die sogenannte „Baracke X“. In ihrem Inneren gingen wir durch mehrere Räume: die Desinfektionskammer, das Brausebad (das in Wirklichkeit eine Gaskammer war), die Totenkammer sowie am Ende der Raum mit den Verbrennungsöfen. Heute ist dieser Bereich ein zentraler Gedenkort der KZ-Gedenkstätte.Nach dieser Führung hatten wir 30 Minuten Pause. Wir hatten genügend Zeit, um uns die Ausstellung im Wirtschaftsgebäude anzusehen. Man konnte sich Erzählungen von Häftlingen durchlesen, Bilder anschauen und vieles mehr.Anschließend durften wir einen Gottesdienst besuchen, den Herr Pfarrer Weyers und Frau Rusch vorbereitet hatten. Er sollte uns helfen, alles besser zu verarbeiten. Am Ende des Gottesdienstes gingen wir alle nach draußen, stellten uns in einem großen Kreis auf und dachten noch einmal an all die Menschen, die hier gequält, gelitten und getötet wurden, aber natürlich auch an die, die überlebt hatten und nach der Befreiung mit Krankheiten, Unterernährung, Verletzungen und Traumata weiterleben mussten. Die Schülerinnen, die Frau Rusch bei der Vorbereitung des Gottesdienstes unterstützt hatten, legten – angelehnt an die jüdische Tradition auf Friedhöfen – nacheinander Steine in die Mitte des Kreises und sprachen in Vertretung für uns alle folgenden Satz: „Ich war hier und habe auf besondere Weise an euch gedacht“.Zurück im Bus herrschte eine Stille, die mich zum Nachdenken brachte. Wahrscheinlich musste jede das alles für sich selbst noch einmal verarbeiten.Ich finde es wichtig, dass man nicht die Augen vor der Wahrheit verschließt und dieses Konzentrationslager einmal besichtigt. So kommt man den Geschehnissen von damals näher. Dieser Ausflug war sehr lehrreich, dennoch wirkte der Ort sehr angsteinflößend auf mich. Es ist mir ein Rätsel, wie grausam Menschen sein können und ich hoffe, dass so etwas nie wieder passiert. Umso wichtiger ist es, jede Art von Hass, Gewalt und Unterdrückung gegenüber Menschen ernst zu nehmen. Vor allem in der heutigen Zeit.
Lada Ponomarova und Lena Sekretaruk haben voneinander unabhängig ihre Eindrücke der Studienfahrt formuliert. Daher überschneiden sich manche Aussagen, zugleich ist es interessant, durch zwei Texte unterschiedliche Schwerpunktsetzungen zu erhalten – eine Komponente der Individualität, der wir gerade an einem Ort, der in scharfem Gegensatz zu jeder Form der Individualität stand, gerne Raum geben. In alphabetischer Reihenfolge erscheint hier zuerst Ladas Text:
Angekommen an derGedenkstätte in Dachausind der erste Eindruck die Hunderte von Menschen, die das ehemalige Konzentrationslager besuchen: Schüler, Lehrer, Touristen, ganze Schulklassen aus anderen Ländern, welche diesen Weg auf sich genommen haben, um mehr über die komplexe und grausame Geschichte dieses Ortes zu lernen.
Beim Betreten der Anlage durch die Absperrung fällt jedem sofort der auf der Metalltür skulptierte Satz “Arbeit macht frei” auf, ein bekannter Satz, der in vielen Konzentrationslagern benutzt wurde, um die Inhaftierten glauben zu lassen, dass sie durch die Arbeit, die sie verrichteten, sich ihre Freiheit erarbeiten konnten, was in keinem Falle stimmte.
Einer unserer ersten Stopps war das Gefängnis. Wir betraten die langen Gänge, an deren beiden Seiten Türen zu den Einzelzellen führten. Heute ist hinter jeder Tür ein kleiner Raum mit ausgestellten Infotexten und auch einem kleinen, mit Metallgitter gesicherten Fenster zu sehen. 1944 waren manche dieser Zellen in vier Einzelzellen aufgeteilt, welche gerade einmal 80 mal 80 Zentimeter groß waren. Die Häftlinge hatten also oft tage- oder wochenlang keinen Platz, sich hinzulegen oder gar hinzusetzen, weshalb man die Zellen auch Stehzellen nannte. Raus, um auf die Toilette zu gehen, durften sie nicht.
Bevor wir anschließend das Wirtschaftsgebäude betraten, schauten wir uns die massive Skulptur des Mahnmals an. Diese zeigt einen nachgebauten Stacheldrahtzaun, wie den, der das KZ umschließt, in dem viele abgemagert aussehende Menschen hängen. Die Bedeutung ist vielfältig und offensichtlich tragisch, genauso wie die des gegenüberliegenden Reliefs in Kettenform. Bedeckt mit verschiedenfarbigen Winkeln symbolisiert dieses all die Inhaftierten, welche in Gruppen eingeteilt und in erster Linie nach der Farbe und Form dieser behandelt wurden.
Im sogenannten Wirtschaftsgebäude ist heute die Hauptausstellung der Gedenkstätte zu finden. Die mit historischen Ausstellungsstücken und Informationstexten gefüllten Gedenkräume zu betreten, war ein ergreifender Teil der Tour, vor allem, da es viele echte Andenken wie alte Pässe, Uhren und Schmuck gab, bei deren Betrachtung man sich in die Vergangenheit zurückgeschickt fühlte. Als man die beigelegten Texte über die einzelnen Menschen gelesen hat, hat es sich fast schon so angefühlt, als hätte man die Menschen gekannt und würde nun um sie trauern, da die Beschreibungen oft sehr detailliert mit den Andenken verbunden waren.
Unser nächster Stopp waren die Baracken. Von den damaligen 34 stehen heute nur noch zwei Nachbauten, welche für die Rundgänge genutzt werden. Bei der Besichtigung der einzelnen großen Schlafräume konnte man die Veränderung der Bettengestaltung im Laufe der Zeit gut erkennen: Die hölzernen Doppelstockbetten wurden mit der Zeit immer weniger individuell, bis es beim dritten Modell nur noch eine gemeinsame Liegefläche, in welcher die Häftlinge ohne jegliche Privatsphäre sehr gequetscht schlafen mussten, gab. Die Lebensumstände von früher zu sehen war sehr bedrückend und mit dem Betreten jeden weiteren Gebäudes wurde das Mitgefühl stärker und die Trauer um die Menschen, die hier Zeit verbracht hatten, Menschen, die ihr Leben hier verloren hatten, Menschen, deren Bekannte und Familienmitglieder hier waren, größer.
Den Krematoriumsbereich zu betreten, den wir zum Schluss der Führung besuchten, war für mich sowie viele meiner Klassenkameradinnen der wahrscheinlich beklemmendste Abschnitt. Der Grund für den Bau des Krematoriums war die Massentötung von Menschen. Zur Massenvernichtung durch Giftgas kam es in Dachau jedoch zum Glück nicht. Im Inneren der „Baracke X“ gab es Verbrennungsöfen zur Einäscherung der Leichen, Totenkammern und eine Gaskammer. Ich konnte mich nicht lange in diesen Räumen aufhalten und wenn ich nochmals eine Besichtigung machen sollte, würde ich kein zweites Mal dorthin gehen können.
Lena Sekretaruk hat ihre Eindrücke von dieser Fahrt so formuliert.
Dachau. Eine Stadt in der Metropolregion München. Doch warum genau ist Dachau eigentlich eine so bedeutende Stadt? Die Frage ist leicht zu beantworten, jedoch kommen dadurch auch schlimme Erinnerungen und Leidensgeschichten hoch. Es ist wegen dem Konzentrationslager der Nationalsozialisten. Heute ist das ehemalige Konzentrationslager ein internationaler Lern-, Gedenk- und Erinnerungsort. Doch wie sah es dort früher aus und wie genau ging es den Menschen, die dort hingebracht wurden? Genau das sollten wir erfahren auf unserem Ausflug in dieses Lager.
Wir bekamen eine eineinhalb Stunden lange Führung, in der wir zunächst etwas über das Gelände des Konzentrationslagers erfuhren. Dann ging unsere Gruppe durch ein eisernes Tor, in dessen Mitte „Arbeit macht frei“ stand. Ich habe einen Moment nachgedacht und dann wurde mir richtig bewusst, dass dieser Satz eigentlich eine Qual für die Menschen gewesen sein musste.
Hinter dem Tor befand sich der riesige Appellplatz. Dort mussten sich die Häftlinge jeden Morgen und Abend aufstellen und wurden gezählt. Das konnte oft Stunden dauern. Danach wurden sie zum Arbeiten eingeteilt. Sie mussten bei jeder Wetterlage arbeiten, egal ob Schnee, Regen oder wahnsinniger Hitze. Sie trugen eine Hose und eine Art Hemd. Beides hatte das gleiche Muster: blau-weiß-gestreift. So wurden sie erkannt, falls die Häftlinge auf die Idee gekommen wären, zu fliehen. Doch fliehen war praktisch unmöglich, da sich vor dem elektrisch geladenen Stacheldrahtzaun ein tiefer Graben sowie eine Rasenfläche befand, die die Häftlinge nicht betreten durften. Wer sie betrat, wurde direkt erschossen. Schaffte man es dennoch bis zum Zaun, starb man spätestens, wenn man ihn berührte.
Als Nächstes besichtigten wir das Gefängnis. Doch warum ein Gefängnis im Gefängnis? Das war die Frage, die uns alle beschäftigte. Die Führerin erklärte uns, dass es Strafen für die kleinsten Fehler gab. Sie reichten von Essensentzug, Stillstehen auf dem Appellplatz, Inhaftierung im Bunker (Einzel- und Dunkelhaft) bis hin zu Prügelstrafe und Hinrichtung. Wir gingen durch das Gefängnis und schauten uns die einzelnen Zellen an. Sie waren klein und hatten teilweise keine Fenster.
Ein Weg führte uns danach weiter zu den Baracken, in denen die Gefangenen damals lebten. Was uns auffiel war, dass die Betten im Laufe der Jahre für jeden Einzelnen immer enger wurden und man dadurch immer weniger Platz zum Schlafen hatte. Das lag daran, dass immer mehr Menschen verhaftet und die Baracken dadurch immer voller wurden. Die Toiletten waren dicht aneinandergereiht, was natürlich bedeutete, dass die Häftlinge keine Privatsphäre besaßen.
Zuletzt kamen wir zum Krematorium. Der Weg dorthin führte über eine Brücke, die es damals nicht gab. Warum? Die Menschen, die dort gefangen gehalten wurden, sollten nicht wissen, was dort passierte. Es war der Ort des Todes, an dem die vielen Toten eingeäschert oder auch Hinrichtungen durchgeführt wurden. Im Zentrum des Bereichs sahen wir ein Gebäude, die sogenannte „Baracke X“. In ihrem Inneren gingen wir durch mehrere Räume: die Desinfektionskammer, das Brausebad (das in Wirklichkeit eine Gaskammer war), die Totenkammer sowie am Ende der Raum mit den Verbrennungsöfen. Heute ist dieser Bereich ein zentraler Gedenkort der KZ-Gedenkstätte.
Nach dieser Führung hatten wir 30 Minuten Pause. Wir hatten genügend Zeit, um uns die Ausstellung im Wirtschaftsgebäude anzusehen. Man konnte sich Erzählungen von Häftlingen durchlesen, Bilder anschauen und vieles mehr.
Anschließend durften wir einen Gottesdienst besuchen, den Herr Pfarrer Weyers und Frau Rusch vorbereitet hatten. Er sollte uns helfen, alles besser zu verarbeiten. Am Ende des Gottesdienstes gingen wir alle nach draußen, stellten uns in einem großen Kreis auf und dachten noch einmal an all die Menschen, die hier gequält, gelitten und getötet wurden, aber natürlich auch an die, die überlebt hatten und nach der Befreiung mit Krankheiten, Unterernährung, Verletzungen und Traumata weiterleben mussten. Die Schülerinnen, die Frau Rusch bei der Vorbereitung des Gottesdienstes unterstützt hatten, legten – angelehnt an die jüdische Tradition auf Friedhöfen – nacheinander Steine in die Mitte des Kreises und sprachen in Vertretung für uns alle folgenden Satz: „Ich war hier und habe auf besondere Weise an euch gedacht“.
Zurück im Bus herrschte eine Stille, die mich zum Nachdenken brachte. Wahrscheinlich musste jede das alles für sich selbst noch einmal verarbeiten.
Ich finde es wichtig, dass man nicht die Augen vor der Wahrheit verschließt und dieses Konzentrationslager einmal besichtigt. So kommt man den Geschehnissen von damals näher. Dieser Ausflug war sehr lehrreich, dennoch wirkte der Ort sehr angsteinflößend auf mich. Es ist mir ein Rätsel, wie grausam Menschen sein können und ich hoffe, dass so etwas nie wieder passiert. Umso wichtiger ist es, jede Art von Hass, Gewalt und Unterdrückung gegenüber Menschen ernst zu nehmen. Vor allem in der heutigen Zeit.
Lada Ponomarova und Lena Sekretaruk haben voneinander unabhängig ihre Eindrücke der Studienfahrt formuliert. Daher überschneiden sich manche Aussagen, zugleich ist es interessant, durch zwei Texte unterschiedliche Schwerpunktsetzungen zu erhalten – eine Komponente der Individualität, der wir gerade an einem Ort, der in scharfem Gegensatz zu jeder Form der Individualität stand, gerne Raum geben. In alphabetischer Reihenfolge erscheint hier zuerst Ladas Text:
Angekommen an derGedenkstätte in Dachausind der erste Eindruck die Hunderte von Menschen, die das ehemalige Konzentrationslager besuchen: Schüler, Lehrer, Touristen, ganze Schulklassen aus anderen Ländern, welche diesen Weg auf sich genommen haben, um mehr über die komplexe und grausame Geschichte dieses Ortes zu lernen.
Beim Betreten der Anlage durch die Absperrung fällt jedem sofort der auf der Metalltür skulptierte Satz “Arbeit macht frei” auf, ein bekannter Satz, der in vielen Konzentrationslagern benutzt wurde, um die Inhaftierten glauben zu lassen, dass sie durch die Arbeit, die sie verrichteten, sich ihre Freiheit erarbeiten konnten, was in keinem Falle stimmte.
Einer unserer ersten Stopps war das Gefängnis. Wir betraten die langen Gänge, an deren beiden Seiten Türen zu den Einzelzellen führten. Heute ist hinter jeder Tür ein kleiner Raum mit ausgestellten Infotexten und auch einem kleinen, mit Metallgitter gesicherten Fenster zu sehen. 1944 waren manche dieser Zellen in vier Einzelzellen aufgeteilt, welche gerade einmal 80 mal 80 Zentimeter groß waren. Die Häftlinge hatten also oft tage- oder wochenlang keinen Platz, sich hinzulegen oder gar hinzusetzen, weshalb man die Zellen auch Stehzellen nannte. Raus, um auf die Toilette zu gehen, durften sie nicht.
Bevor wir anschließend das Wirtschaftsgebäude betraten, schauten wir uns die massive Skulptur des Mahnmals an. Diese zeigt einen nachgebauten Stacheldrahtzaun, wie den, der das KZ umschließt, in dem viele abgemagert aussehende Menschen hängen. Die Bedeutung ist vielfältig und offensichtlich tragisch, genauso wie die des gegenüberliegenden Reliefs in Kettenform. Bedeckt mit verschiedenfarbigen Winkeln symbolisiert dieses all die Inhaftierten, welche in Gruppen eingeteilt und in erster Linie nach der Farbe und Form dieser behandelt wurden.
Im sogenannten Wirtschaftsgebäude ist heute die Hauptausstellung der Gedenkstätte zu finden. Die mit historischen Ausstellungsstücken und Informationstexten gefüllten Gedenkräume zu betreten, war ein ergreifender Teil der Tour, vor allem, da es viele echte Andenken wie alte Pässe, Uhren und Schmuck gab, bei deren Betrachtung man sich in die Vergangenheit zurückgeschickt fühlte. Als man die beigelegten Texte über die einzelnen Menschen gelesen hat, hat es sich fast schon so angefühlt, als hätte man die Menschen gekannt und würde nun um sie trauern, da die Beschreibungen oft sehr detailliert mit den Andenken verbunden waren.
Unser nächster Stopp waren die Baracken. Von den damaligen 34 stehen heute nur noch zwei Nachbauten, welche für die Rundgänge genutzt werden. Bei der Besichtigung der einzelnen großen Schlafräume konnte man die Veränderung der Bettengestaltung im Laufe der Zeit gut erkennen: Die hölzernen Doppelstockbetten wurden mit der Zeit immer weniger individuell, bis es beim dritten Modell nur noch eine gemeinsame Liegefläche, in welcher die Häftlinge ohne jegliche Privatsphäre sehr gequetscht schlafen mussten, gab. Die Lebensumstände von früher zu sehen war sehr bedrückend und mit dem Betreten jeden weiteren Gebäudes wurde das Mitgefühl stärker und die Trauer um die Menschen, die hier Zeit verbracht hatten, Menschen, die ihr Leben hier verloren hatten, Menschen, deren Bekannte und Familienmitglieder hier waren, größer.
Den Krematoriumsbereich zu betreten, den wir zum Schluss der Führung besuchten, war für mich sowie viele meiner Klassenkameradinnen der wahrscheinlich beklemmendste Abschnitt. Der Grund für den Bau des Krematoriums war die Massentötung von Menschen. Zur Massenvernichtung durch Giftgas kam es in Dachau jedoch zum Glück nicht. Im Inneren der „Baracke X“ gab es Verbrennungsöfen zur Einäscherung der Leichen, Totenkammern und eine Gaskammer. Ich konnte mich nicht lange in diesen Räumen aufhalten und wenn ich nochmals eine Besichtigung machen sollte, würde ich kein zweites Mal dorthin gehen können.
Lena Sekretaruk hat ihre Eindrücke von dieser Fahrt so formuliert.
Dachau. Eine Stadt in der Metropolregion München. Doch warum genau ist Dachau eigentlich eine so bedeutende Stadt? Die Frage ist leicht zu beantworten, jedoch kommen dadurch auch schlimme Erinnerungen und Leidensgeschichten hoch. Es ist wegen dem Konzentrationslager der Nationalsozialisten. Heute ist das ehemalige Konzentrationslager ein internationaler Lern-, Gedenk- und Erinnerungsort. Doch wie sah es dort früher aus und wie genau ging es den Menschen, die dort hingebracht wurden? Genau das sollten wir erfahren auf unserem Ausflug in dieses Lager.
Wir bekamen eine eineinhalb Stunden lange Führung, in der wir zunächst etwas über das Gelände des Konzentrationslagers erfuhren. Dann ging unsere Gruppe durch ein eisernes Tor, in dessen Mitte „Arbeit macht frei“ stand. Ich habe einen Moment nachgedacht und dann wurde mir richtig bewusst, dass dieser Satz eigentlich eine Qual für die Menschen gewesen sein musste.
Hinter dem Tor befand sich der riesige Appellplatz. Dort mussten sich die Häftlinge jeden Morgen und Abend aufstellen und wurden gezählt. Das konnte oft Stunden dauern. Danach wurden sie zum Arbeiten eingeteilt. Sie mussten bei jeder Wetterlage arbeiten, egal ob Schnee, Regen oder wahnsinniger Hitze. Sie trugen eine Hose und eine Art Hemd. Beides hatte das gleiche Muster: blau-weiß-gestreift. So wurden sie erkannt, falls die Häftlinge auf die Idee gekommen wären, zu fliehen. Doch fliehen war praktisch unmöglich, da sich vor dem elektrisch geladenen Stacheldrahtzaun ein tiefer Graben sowie eine Rasenfläche befand, die die Häftlinge nicht betreten durften. Wer sie betrat, wurde direkt erschossen. Schaffte man es dennoch bis zum Zaun, starb man spätestens, wenn man ihn berührte.
Als Nächstes besichtigten wir das Gefängnis. Doch warum ein Gefängnis im Gefängnis? Das war die Frage, die uns alle beschäftigte. Die Führerin erklärte uns, dass es Strafen für die kleinsten Fehler gab. Sie reichten von Essensentzug, Stillstehen auf dem Appellplatz, Inhaftierung im Bunker (Einzel- und Dunkelhaft) bis hin zu Prügelstrafe und Hinrichtung. Wir gingen durch das Gefängnis und schauten uns die einzelnen Zellen an. Sie waren klein und hatten teilweise keine Fenster.
Ein Weg führte uns danach weiter zu den Baracken, in denen die Gefangenen damals lebten. Was uns auffiel war, dass die Betten im Laufe der Jahre für jeden Einzelnen immer enger wurden und man dadurch immer weniger Platz zum Schlafen hatte. Das lag daran, dass immer mehr Menschen verhaftet und die Baracken dadurch immer voller wurden. Die Toiletten waren dicht aneinandergereiht, was natürlich bedeutete, dass die Häftlinge keine Privatsphäre besaßen.
Zuletzt kamen wir zum Krematorium. Der Weg dorthin führte über eine Brücke, die es damals nicht gab. Warum? Die Menschen, die dort gefangen gehalten wurden, sollten nicht wissen, was dort passierte. Es war der Ort des Todes, an dem die vielen Toten eingeäschert oder auch Hinrichtungen durchgeführt wurden. Im Zentrum des Bereichs sahen wir ein Gebäude, die sogenannte „Baracke X“. In ihrem Inneren gingen wir durch mehrere Räume: die Desinfektionskammer, das Brausebad (das in Wirklichkeit eine Gaskammer war), die Totenkammer sowie am Ende der Raum mit den Verbrennungsöfen. Heute ist dieser Bereich ein zentraler Gedenkort der KZ-Gedenkstätte.
Nach dieser Führung hatten wir 30 Minuten Pause. Wir hatten genügend Zeit, um uns die Ausstellung im Wirtschaftsgebäude anzusehen. Man konnte sich Erzählungen von Häftlingen durchlesen, Bilder anschauen und vieles mehr.
Anschließend durften wir einen Gottesdienst besuchen, den Herr Pfarrer Weyers und Frau Rusch vorbereitet hatten. Er sollte uns helfen, alles besser zu verarbeiten. Am Ende des Gottesdienstes gingen wir alle nach draußen, stellten uns in einem großen Kreis auf und dachten noch einmal an all die Menschen, die hier gequält, gelitten und getötet wurden, aber natürlich auch an die, die überlebt hatten und nach der Befreiung mit Krankheiten, Unterernährung, Verletzungen und Traumata weiterleben mussten. Die Schülerinnen, die Frau Rusch bei der Vorbereitung des Gottesdienstes unterstützt hatten, legten – angelehnt an die jüdische Tradition auf Friedhöfen – nacheinander Steine in die Mitte des Kreises und sprachen in Vertretung für uns alle folgenden Satz: „Ich war hier und habe auf besondere Weise an euch gedacht“.
Zurück im Bus herrschte eine Stille, die mich zum Nachdenken brachte. Wahrscheinlich musste jede das alles für sich selbst noch einmal verarbeiten.
Ich finde es wichtig, dass man nicht die Augen vor der Wahrheit verschließt und dieses Konzentrationslager einmal besichtigt. So kommt man den Geschehnissen von damals näher. Dieser Ausflug war sehr lehrreich, dennoch wirkte der Ort sehr angsteinflößend auf mich. Es ist mir ein Rätsel, wie grausam Menschen sein können und ich hoffe, dass so etwas nie wieder passiert. Umso wichtiger ist es, jede Art von Hass, Gewalt und Unterdrückung gegenüber Menschen ernst zu nehmen. Vor allem in der heutigen Zeit.



