Heimspiel für Ehemalige – Entdeckungsreise für die Neuen: Tag der offenen Tür 2026

Vor 23 Jahren hat sie hier mit vielen Freudentränen ihren Abschluss an der Ursulinen-Realschule gemacht. Nach ihrer pädagogischen Ausbildung und ihrem FH-Studium hat sie mit großem Erfolg drei Kinderkrippen im Raum Landshut aufgebaut. Nun verkündet Thessi ihrem damaligen Klassenleiter, dass gar kein Zweifel bestehe, dass für ihre Anna genau diese Schule die bestmögliche sein werde. "Mir is hier imma guad ganga. Eicha Schui is einfach super!" - Nicht nur Thessi ist nach 23 Jahren am heutigen Tag der offenen Tür an ihre ehemalige Schule zurückgekehrt, sondern auch zahlreiche Schülerinnen, die erst im letzten Sommer hier ihren Abschluss gemacht hatten. Nein, sie begleiten heute natürlich noch keine kleinen Töchter hierher, aber sie kehrten einfach so gerne hierher zurück, weil hier alles ein bisschen wärmer gewesen sei.
Dass es im Schulhaus so „warm“ zugeht, wie die Ehemaligen schwärmten, lag an diesem Nachmittag nicht nur an den weit über 200 Besuchern, die für dichtes Gedränge in den Gängen sorgten. Es lag vor allem an der Begeisterung, mit der die Schulgemeinschaft ihre Türen öffnete.
Schon beim Infovortrag der neuen Schulleiterin Dunja Müller wurde deutlich, dass hier ein neuer Geist auf vertrautem Fundament weht. Obwohl sie erst seit wenigen Tagen im Amt ist, präsentierte sie „ihre“ Ursulinen so souverän und herzlich, als würde sie das Haus schon seit Jahren  leiten. Die Botschaft kam an: Hier wird jedes Mädchen gesehen.
Wer dem Duft frisch gebackener Crêpes der Fachschaft Französisch im Haupthaus folgte, landete mitten in einem bunten Parcours der Möglichkeiten. In MINT und Chemie herrschte fast schon alchemistisches Treiben, als die Besucherinnen unter staunenden Blicken einfache Münzen „vergoldeten“ und Stationen mit Titeln wie "Der heiße Draht" "Gefahrloser Schuss" und "Dicke Luft" passierten. Nur eine Tür weiter, in der Physik, wurde mit spannenden Experimenten der Forschergeist geweckt. In Biologie wurde unter dem Mikroskop die kleine Welt ganz groß und am Nachbartisch galt es die Schädel von Biber, Wildschwein oder Rind zu identifizieren.
In der IT rauchten die Köpfe bei Rätseln über PC-Komponenten, während auf den Gängen die Technik lebendig wurde: Kleine Roboter flitzten geschickt entlang der Beine der Besucher – ein stolzer Hinweis auf das Wahlfach Robotics, in dem die Schule bereits mehrfach den Titel des Bayerischen Meisters errungen hat.
Dass die Ursulinen-Schule auch eine Schule der Sinne ist, bewiesen die musischen Fächer. Die Theaterklasse machte Appetit auf ihre diesjährigen Stücke mit Choreographien aus leuchtend bunten Tüchern. Die Instrumentalisten, die Schulband und die Perkussionisten sandten Klangwolken aus den verschiedenen Bereichen der Modulschule.
Im Fach Deutsch konnten in Schuhschachteln von Schülerinnen liebevoll gestaltete Szenen der deutschen Literatur bewundert werden. Beim Knüpfen von Namenskettchen herrschte diesmal kein „Rohstoffmangel“, denn man hatte sich ausreichend mit dem so häufigen Buchstaben A in Mädchennamen eingedeckt. Wer es historischer mochte, konnte in Geschichte mit Feder und Tinte wie im Mittalalter schreiben oder in der Geographie seinen eigenen Globus basteln.
Die Fairtrade-Gruppe erinnerte charmant daran: „Wenn schon Süßigkeiten in der Fastenzeit, dann wenigstens faire!“. Wer es klassisch mochte, fand im Café des Elternbeirats eine riesige Auswahl an Kuchen, die von den Schülerinnen selbst mitgebracht worden waren.
Meditativ wurde es im Raum der Fachschaft Religion. Ein begehbares Labyrinth aus Teelichtern lud dazu ein, kurz innezuhalten. Auf kleinen Kärtchen konnten die Viertklässlerinnen lesen: „Was bereitet dir Sorgen, wenn du an den Schulwechsel denkst?“. Es war ein Raum für die leisen Töne inmitten des bunten Trubels aus Sport-Geschicklichkeitsparcours, Mathe-Knobeleien mit Stäbchen und dem stark frequentierten Basteln dekorativer Blumen im Textilen Gestalten.
Am Ende des Tages sah man viele Mädchen mit selbstgemachten SMV-Buttons am T-Shirt und einem Lächeln im Gesicht nach Hause gehen. Vor allem die zahlreich erschienenen Ehemaligen waren das schönste Kompliment für die Schule. Dass sie den Tag der offenen Tür nutzten, um ihre „geliebte und vermisste“ alte Schule zu besuchen, bewies einmal mehr: Die Ursulinen-Realschule ist kein Ort, den man nach dem Zeugnis einfach hinter sich lässt. Man nimmt ein Stück von ihr mit – und kommt, wie Thessi nach 23 Jahren, irgendwann gerne wieder „heim“. (Sf)