













Die barocken Türen erzählen von Jahrhunderten, der symbolisch überreichte Schlüssel öffnet den Weg in die Zukunft: Mit der feierlichen Einweihung des ersten Bauabschnitts hat im Ursulinenkloster ein neues Kapitel begonnen. Reinhard Kardinal Marx, Erzbischof von München und Freising, segnete die sanierten Räume des historischen Gebäudes, in dem Tradition und Innovation nun sichtbar ineinandergreifen.
Dass dieser Neuanfang auch klangvoll gefeiert wurde, dafür sorgten Schülerinnen und Lehrkräfte der Ursulinen-Realschule. Lucia Feil aus der Klasse 9a eröffnete die Feier am Klavier mit „Experience“. Später erfreuten Lara Friesacher, Klasse 9b, mit dem Trompetenstück „Der Weg zu meinem Dirndl“, Ines Goldner aus der Klasse 7a mit „A Short Library“ und „Blue Bells of Scotland“ an der Harfe sowie das Lehrerensemble mit „Am Bacherl“.
Schulleiterin Dunja Müller begrüßte die Gäste und dankte allen, die an Planung, Sanierung und Gestaltung des neuen Bildungszentrums mitgewirkt hatten. Sie erinnerte dabei an den Auftrag, der die Ursulinen seit jeher prägt: jungen Frauen durch Bildung Wege zu Freiheit und Gottesbegegnung zu eröffnen. Die Ursulinen hätten dies stets nicht als Privileg, sondern als eine wichtige Aufgabe verstanden.
Im Ursulinenkloster begegneten sich immer Wissen, Glaube und Kultur. Genau diese Tradition setzt das neue Bildungs- und Kulturzentrum fort. Künftig wirken darin die Ursulinen-Realschule, das Christliche Bildungswerk Landshut und das vom Diözesanmuseum Freising betreute Klostermuseum zusammen.
In seiner Andacht machte Kardinal Marx Mut zum Aufbruch. Gerade als Kirche müsse man darauf vertrauen, dass ein Neuanfang immer wieder möglich sei. Er selbst blicke mit großer Gelassenheit auf die Gegenwart: Christus gehe mit den Menschen.
Den christlichen Glauben und das Evangelium bezeichnete der Kardinal als „Aufklärung im eigentlichen Sinn“. Das gelte auch für den Umgang mit technischen Entwicklungen wie der Künstlichen Intelligenz. Diese dürften nicht vorschnell verteufelt werden. Vielmehr müsse es darum gehen, sie verantwortungsvoll zu nutzen – und zwar so, dass sie dem Menschen dienen.
Von katholischen Schulen erwarte er deshalb, dass sie Vorreiter seien, Maßstäbe setzten und als „Salz der Erde“ und „Licht der Welt“ wirkten. Seinen Wunsch für das neue Bildungszentrum brachte er mit drei prägnanten Begriffen auf den Punkt: „Tradition, Konzentration, Innovation.“
Rund 50 Millionen Euro hat die Erzdiözese München und Freising in den ersten Bauabschnitt der Generalsanierung investiert. Kardinal Marx bezeichnete diese Summe als gut angelegtes Geld. Gerade in Zeiten der Künstlichen Intelligenz sei Bildung entscheidend – auch, um demokratische Strukturen zu erhalten.
Der Dank für die Investition gebühre jedoch nicht ihm, stellte der Kardinal klar, sondern den Kirchensteuerzahlern, die ein solches Projekt erst ermöglichten. "Und glaubt ja nicht, wir könnten das finanzieren, wenn noch mehr Leute aus der Kirche austreten!“
Seit April nutzt die Schulfamilie die neuen Räume. Durch die Einbeziehung ehemaliger Konventsflächen ist die Nutzungsfläche der Schule von rund 3.900 auf etwa 6.300 Quadratmeter gewachsen. Im zweiten Bauabschnitt wird bis voraussichtlich Herbst 2027 der Gebäudetrakt in Richtung Bischof-Sailer-Platz saniert.
Für das beauftragte Architekturbüro war die Sanierung eine besondere Aufgabe: Wie lässt sich die historische Substanz eines im 17. Jahrhundert errichteten Klosters bewahren und zugleich ein modernes Schulgebäude schaffen?
In enger Abstimmung mit der Denkmalpflege wurde der unverwechselbare Geist des Hauses erhalten. Zu kleine barocke Türen wurden sorgfältig restauriert; wo zusätzliche Durchgänge notwendig waren, fügte man neue, bewusst unauffällig gestaltete Türen hinzu. So entstand ein Gebäude, das seine Geschichte nicht versteckt und dennoch offen für die Anforderungen der Gegenwart ist.
Zum Abschluss der Baumaßnahmen übergab das Architekturbüro symbolisch den Schlüssel an Ordinariatsdirektorin Dr. Sandra Krump, Leiterin des Ressorts Bildung im Erzbischöflichen Ordinariat.
Dr. Krump erinnerte an das reiche spirituelle, kulturelle und pädagogische Erbe des Ursulinenklosters. Ihr besonderer Dank galt den Ursulinenschwestern – stellvertretend nannte sie Schwester Andrea, Schwester Valeria und Schwester Teresita – sowie allen, die den Übergang und die Sanierung begleitet hatten.
Zugleich blickte sie voller Vorfreude auf die künftige Zusammenarbeit der drei Partner: Ursulinen-Realschule, Christliches Bildungswerk und Diözesanmuseum.
Nach einer kurzen von Chemielehrer Reinhard Hartl geleiteten Schülerinnen-Interaktion mit ursulinenblauer und andersfarbigen Flüssigkeiten kam es zu einer kurzen Gesprächsrunde mit Schülerinnen. Auf die Frage, was er ihnen für ihren Lebensweg mitgeben wolle, antwortete Kardinal Marx mit drei Gedanken.
Erstens müsse jede Einzelne daran glauben, „ein wunderbarer Gedanke Gottes“ zu sein. Aufgabe von Pädagogik sei es, herauszufinden, welche Möglichkeiten und Begabungen in einem jungen Menschen steckten. Zweitens könne niemand seinen Weg allein gehen, denn: „Es gibt kein Ich ohne Du.“ Und drittens sei der Glaube kein „spirituelles Bonbon“. Er müsse vielmehr den Blick über die eigene Person hinaus auf die Gemeinschaft und die Welt öffnen.
Beim anschließenden Stehempfang blieb Zeit für Gespräche und Begegnungen. Und so endete der Festtag, wie er begonnen hatte: mit offenen Türen – zu neuen Räumen, neuen Möglichkeiten und einer neuen Etappe in der langen Geschichte der Ursulinen.(Sf)
