




Ein Text von Dana Kumpfmüller (10d)
Montag
Ora et labora ist ein fester Bestandteil des Ursulinen-Zehntklässler-Lebens.
Drei Tage „Beten und Arbeiten“ im Bayrischen Wald, mit einem Koffer voller Mathesachen und einem Gefühl voller Erwartung.
Als sich die Tür des Reisebusses öffnet, schlägt dir eiskalte, neblige Luft entgegen. Der Weg zur Pension ist dicht verschneit und du schlitterst etwas ungelenk durch die weiße Winterlandschaft. Spannung liegt in den Gesichtern: Wie viel Arbeit liegt wirklich vor dir? Kann man in diesen Tagen wirklich zwölf Stunden lernen? Wie gehst du das Ganze überhaupt an?
Zur ersten Lerneinheit am Nachmittag liegt ein Radiergummi neben dir, den euch Herr Bauch beim Sitzkreis im Kaminzimmer mitgegeben hat. Darauf steht:
Gott liebt mich mit meinen Fehlern.
Dienstag
Dein Kopf ist mindestens so vollgepackt wie sämtliche Tische im Speisesaal. Überall liegen Abschlussprüfungen verteilt, du fühlst dich ziemlich stolz und gleichzeitig ziemlich verwirrt. Deine Sitznachbarin stupst dich von der Seite an. Ihre Parabel macht nicht, was sie soll. Du gibst ihr Tipps, denn durch diese Aufgabe hast du dich zum Glück schon gekämpft. Dann wird es wieder still am Tisch. Eine schöne Stille. Herr Kainz, Familie Bauch und Herr Zanon laufen von einer Schülerin zur nächsten, helfen, wenn Funktionen nicht funktionieren und man den Mut verliert. Obwohl sechs Stunden Mathe hinter dir liegen, bist du erstaunlich motiviert und gut gelaunt. Denn du sitzt und kämpfst hier nicht allein mit Mathematikproblemen: Du gibst mit allen zusammen dein Bestes.
Mittwoch
Letzte Einheit. Tag der Abfahrt. Ein komisches, wehmütiges Gefühl. Nicht nur die Mathestunden werden bald vorbei sein, sondern auch die gemeinsamen Spieleabende, die tiefgründigen Gespräche, das Beten und bebende Gelächter in den Zimmern. Du hast nicht erwartet, dass das viele Lernen so anstrengend ist. So herausfordernd.
Du hast gesehen, wie schön es ist, gemeinsam zu essen, Gottesgeschichten zu lauschen und gemeinsam an einem Matheproblem zu arbeiten. Manchmal auch zu verzweifeln - Und es dann schließlich zu verstehen und geschafft zu haben.
Es lag unglaublich viel Motivation, Herausforderung und Gefühl in den letzten drei Tagen.
Du erkennst mehr und mehr: Die nächste Zeit wird vom Lernen geprägt sein. Du bist offiziell Zehnklässlerin, offiziell in der Abschlussvorbereitung, offiziell „fast erwachsen“. Du kannst die Wehmut nicht ganz beschreiben. Es geht alles so schnell, und doch zu langsam. Du läufst lachend durch die Gänge und könntest bei dem Gedanken an Parabeln aber auch schreien. Du bist müde und willst dich nach den anstrengenden Tagen ins Bett legen, aber gleichzeitig jeden Moment auskosten, der bleibt. Du bist erschöpft und nachdenklich. Doch dein Herz wurde mit genügend Hoffnung gefüllt - Du hast Tipps bekommen, um dir Lern-, aber auch Freizeit einzuteilen. Du behältst in Erinnerung, dass du trotzdem mehr bist, als eine Note auf Papier. Du hast Hoffnung in Gott, in dich und in euch alle. Jeder hilft jedem, ihr geht alle zusammen diesen neuen, unbekannten Weg. Du erinnerst dich an den Spruch, den Herr Bauch bei der ersten Einheit im Sitzkreis vorlas:
„Das hier ist ein Labyrinth. Manchmal läuft man in falsche Richtungen und fühlt sich verloren. Doch ein Labyrinth ist zum Glück kein Irrgarten. Es ist eine Chance, eine Herausforderung. Ihr werdet diese meistern und stärker herauskommen."
Du merkst schon jetzt, dass er Recht hatte. Du fühlst, wie ora et labora 2026 fast unbemerkt zu einer Erfahrung für mehr geworden ist. Wie es dich verändert hat. Ihr seid stärker, erfahrener und vor allem vereint. (Redaktion: Sf)
